Prolog Ich lag auf dem Dach unseres Hauses am Waldrand und genoss die Morgensonne. »Beeil dich, Kaye, du kommst zu spät zur Schule!«, rief Mom von drinnen. Ich seufzte und glitt hinunter. Vor einer Woche waren wir nach Hawks gezogen. Das ist eine kleine Stadt im Süden Kaliforniens – ihr kennt sie bestimmt nicht. Wie auch immer, es war mein erster Tag an der neuen Schule, der Hawks Junior High School. Ich bin fünfzehn, also bin ich in der neunten Klasse.
Ich ging ins Haus und nahm meine Tasche. »See you later, alligator«, sagte ich zu meiner Mom und küsste sie auf die Wange. Sie lächelte und antwortete: »In a while, crocodile.« Das war seit Jahren ein Witz zwischen uns und inzwischen fand ich das ziemlich kindisch, doch für sie machte ich noch immer mit.
»Kaye«, begann sie. »Viel Glück. Ich hoffe, dass hier alles gut geht.«
Ich sah sie müde an. »Ich auch, Mom.«, erwiderte ich und verließ das Haus.
Ja, ich wünschte mir wirklich, dass jetzt alles besser werden würde. Bevor wir nach Hawks gezogen waren, war mein Leben nicht unbedingt das, was man »normal« nennen würde. Naja, eigentlich bin ich es selbst, was nicht wirklich normal ist. Man sieht es nicht auf den ersten Blick, doch ich habe die Flügel eines Schmetterlings, bin leicht wie eine Feder und kann fliegen. Natürlich erzähle ich niemandem von meiner Mutation, aber irgendwie scheinen sie es zu riechen. Ich weiß, es klingt lächerlich, aber wenn andere Menschen mich ansehen, wissen sie, ich bin nicht wie sie.
»Du bist wunderschön Schatz, wie eine Fee!«, hat Mom immer gesagt. Früher machte mich das glücklich, aber jetzt, in meinem Alter, ist es nicht mehr so wichtig, was Mom sagt.
Wie auch immer, ich weiß nicht wie und warum, aber ich bin, was ich bin, und ich bin damit alleine – dachte ich zumindest bis ich die St. Cloud Brüder in der Schule kennenlernte. Das heißt, ich werde sie heute kennenlernen, und diese Begegnung wird mein Leben verändern.
Und das ist es, worum es in dieser Geschichte geht.
Kaye