Sonntag, 17. April 2011

Veröffentlichung von 'Kaye'

Liebe Leute, hiermit will ich bekanntgeben, dass ich zukünftig keine weiteren Kapitel von meinem Buch 'Kaye' mehr veröffentlichen werde. 
Das hat zwei Gründe:
1. Ich verliere mit der Veröffentlichung alle Rechte, und ich will das wenn es fertig ist verlegen lassen (zumindest versuche ichs ;)). Und da wäre es schlecht, wenn ich das nicht mehr könnte, weil irgendwer meine Ideen geklaut hat. :'D
2. Ich ändere jeden Tag alles eine Milliarde Mal. Das bedeutet: Nicht mal das, was hier jetzt schon drin steht muss so sein, wie es am Ende ist. ;D
Also... seid mir nicht böse. Wenn ihr es lesen wollt, dann fragt mich. Vielleicht geb ich es euch. :D


Fly on,
Joe. <3

Dienstag, 12. April 2011

Kaye - Fünf

Fünf »Ach, wie schön, Kaye« Mom lächelt mich an. »Gerade mal einen Tag an der neuen Schule und schon bist du bei Freunden zum Essen eingeladen!«
Ich lächle ein wenig gezwungen zurück. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich bei Freunden eingeladen bin, aber die ganze Wahrheit erzähle ich ihr lieber nicht.
Wir sitzen beim Abendessen im kleinen Esszimmer und Mom fragt mich über den ersten Schultag aus. Ich erzähle ihr von Ariadne und Dylan, Mr Parrott und Mrs Harold und eben von Eo und Lux und der Einladung zum Essen. Sie ist total begeistert, weil ich endlich Anschluss gefunden habe.
Den ganzen restlichen Abend wuselt sie im Haus herum, räumt hier Zeug auf, das gar nicht im Weg ist, putzt dort Schmutz weg, der gar nicht existiert, und das alles nur, weil sie sich so für mich freut. 

Kaye - Vier

Vier Inzwischen ist es nach neun und stockdunkel draußen.  In kurzem Kleidchen und mit einem Glas kalter Milch trete ich auf meinen Balkon – ich wohne im vierten Stock, hier sieht mich keiner. Yu sitzt auf meiner Schulter und schaut in die leuchtenden Sterne. »Meinst du, dass sie gefährlich sind?«, fragt sie leise.
»Nein«, höre ich mich sagen. »Ich glaube nicht. Schließlich wollte Eo mich sogar festhalten, als ich von dem Balken gefallen bin und ist dabei selbst abgestürzt.«
»Aber dann waren beide plötzlich verschwunden. Das ist doch nicht normal!«, erwidert Yu. »Wenn er gefallen ist, muss er doch auch unten aufgeschlagen sein, oder nicht? Und der andere musste auch irgendwie von dem Gerüst runter. Kein normaler Mensch kann dann einfach weg sein!«
»Vielleicht sind wir ja keine normalen Menschen?« Hätte er den Kopf nicht rechtzeitig wieder zurückgezogen, hätte ich Eo, der plötzlich kopfüber vom Balkon im fünften Stock vor mir hängt, den Schluck Milch, den ich grade im Mund hatte, ins Gesicht gespuckt. Ich stolpere mit hochrotem Schädel rückwärts, während er sich elegant herunter schwingt und mich ansieht.
»Eo!«, ertönt eine Stimme von der Straße. Eo wirft einen Blick über die Brüstung. »Du sollst nicht immer so schnell rennen, ich kann da unmöglich mithalten!«
»Komm hoch«, erwidert er unbeeindruckt und dreht sich weg. Augenblicklich beginnt sich am Boden neben ihm eine Wasserlache zu bilden, aus der sich langsam die Gestalt von Lux formt.
Ich starre die beiden, die mir jetzt in voller Größe gegenüber stehen, entgeistert an.
»Immer, wenn wir so unterwegs sind, verwandelst du dich und rennst vor«, meint Lux in beleidigtem Tonfall. »Du weißt, dass mein Ortswechsel nur auf kurze Distanz funktioniert. Nimm Rücksicht, Katzenkind!« Eo kommentiert die Anschuldigungen mit einem Hochziehen der Augenbrauen. Erst jetzt realisiere ich, dass die Bezeichnung »Katzenkind« nicht treffender hätte sein können: Aus Eos Haar ragen zwei leicht zuckende Katzenohren, und der passende Schwanz dazu schlängelt sich hinten aus seiner Hose.
»Was zur Hölle seid ihr eigentlich?!«, schreie ich die beiden an, die mich jetzt – als hätten sie eben erst festgestellt, dass ich überhaupt noch da bin – überrascht anblicken. Ich bin total aufgewühlt. Den Versuch, meine Gedanken zu ordnen, habe ich schon längst aufgegeben und mein Puls rast.
»Ich nehme mal an, dasselbe wie du«, antwortet Lux.
»Auch wenn du offensichtlich ein Mädchen bist.«, schließt Eo und ich sehe, wie die Blicke beider Jungen von meinem Gesicht abwärts wandern. Endlich fällt mir wieder ein, wie wenig ich anhabe und ich kreuze augenblicklich die Arme vor der Brust. »Was soll das heißen?«, frage ich entrüstet.
»Nun ja, das heißt, dass du weiblich bist und wir –« Eo unterbricht Lux’ Ausführungen über den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, indem er einen Schritt vorwärts macht und sagt: »Wir sind Mutanten, wie du. Naja, wahrscheinlich ist dir das schon aufgefallen.« Er wackelt ein wenig mit seinen Ohren.
Lux nickt. »Genau. Und außerdem – hey, wo ist eigentlich dein süßer Splitter hin?« Er blickt sich suchend um und geht schließlich einfach an mir vorbei in mein Zimmer, wo Yu sich verkrochen hat. Jetzt ist sie eine zitternde Erhebung unter meiner Bettdecke. »Ah, da ist sie ja!« Lux greift nach dem Laken und zieht es hoch. Yu gibt einen quietschenden Laut von sich und fliegt zu mir so schnell sie kann. »Spinnst du?!«, rufe ich. »Komm aus meinem Zimmer raus!«
Lux hebt abwehrend die Hände und tritt wieder hinaus auf den Balkon. »Echt niedlich.«, lacht er.
Ich blicke ihn düster an. »Warum kannst du sie eigentlich sehen? Ich dachte, das könnte niemand außer mir« Ich wende mich an Eo. »Siehst du sie auch?«
Er nickt. »Ist nicht so einfach zu erklären, aber deine Yu ist in ihrer Art nicht einzigartig.«
»Das heißt, es gibt noch mehr solche Wesen wie sie?«, frage ich.
»So ist es«, antwortet Lux. »Man nennt sie Splitter. Auch wir haben welche.« Wie auf Kommando kommt hinter ihm etwas hervorgeschwebt, ein bisschen größer als Yu, aber ähnlich. Es hat weißes Haar wie Lux, lilafarbene Augen und eine Haiflosse auf dem Rücken. »Das ist Noriak.«, erklärt er.
Ich drehe mich zu Eo um, neben dessen Kopf jetzt ebenfalls ein kleines Wesen fliegt. Aus seinen schwarzen Haaren kommen Katzenohren wie bei Eo, einen Schwanz hat es auch, und zusätzlich Pfoten, wo normalerweise Hände und Füße wären. Seine Augen sind goldgelb und die Pupillen schlitzförmig. »Und der Kleine hier heißt Nyan.«
Yu und ich machen große Augen, sehen uns an und sind erstmal sprachlos. Dann frage ich: »Und was genau sind Splitter?«
»Man nennt uns so, weil wir Absplitterungen eurer Persönlichkeit sind!«, sagt Nyan. Mir fällt auf, dass er beim Reden ein bisschen miaut. Irgendwie süß.
»Absplitterungen unserer Persönlichkeit?« Wieder blicke ich Yu an.
Lux wedelt mit den Händen vor seinem Gesicht herum und sagt: »Nein, nein. Wir haben schon viel zu viel erzählt«, geht wieder zu Eo und nimmt ihn am Arm. »Wir sollten gehen.«
Eo nickt. »Du hast Recht«, dann wendet er sich wieder an mich: »Komm am Freitag um sieben zum Abendessen zu uns. Unser Dad hat dich eingeladen, er wird dir alles erklären, was du wissen musst.«
Und bevor ich irgendetwas erwidern kann, zerfällt Lux wieder in Wassertropfen und Eo lässt sich rückwärts über die Brüstung fallen. Sofort renne ich zum Geländer, spähe auf die Straße und sehe gerade noch, wie er elegant und sanft wie eine Katze auf dem Asphalt aufkommt, einen riesen Sprung auf das nächste Hausdach macht und verschwindet.

Kaye - Drei

Drei »Sie sind gruselig«, sagt Yu. »Sie können mich sehen!«
»Niemals«, erwidere ich. »Nur ich kann dich sehen.«
Ich liege auf meinem Bett, während Yu aufgeregt im Zimmer herumschwebt. Ich versuche mir so wenig wie möglich von meiner eigenen Aufgewühltheit anmerken zu lassen.
»Und wenn nicht? Außerdem wissen sie von deinen Flügeln!«, ereifert sich die Kleine weiter. »Und findest du es nicht komisch, dass sie dich scheinbar gezielt abgefangen haben und dann plötzlich verschwunden waren?«
Ich drehe mich mit dem Gesicht zur Wand, um sie nicht anschauen zu müssen, denn dann würde sie sehen, dass ich unsicher wie noch nie bin. »Schon, aber...« Aber? Was denn aber? Wenn ich das nur wüsste!
»Wir müssen sie ausfindig machen«, meint Yu nun und lässt sich auf meinem Schreibtisch nieder. »Von Ariadne und Dylan wissen wir doch, dass ihr Vater der städtische Doktor ist. So dürfte es nicht so schwer werden.«
»Und was willst du zu ihnen sagen?« Ich setze mich auf und blicke sie ein bisschen zu wütend an.
Plötzlich wird Yu ganz kleinlaut. »Weiß ich doch auch nicht«, flüstert sie und schaut auf ihre kleinen Füßchen. »Aber wir müssen doch irgendwas tun...«
»Was du nicht sagst« Ich erhebe mich, ziehe im Laufen den Pullover aus und lasse ihn auf sie fallen. Nach einer heißen Dusche würde es mir sicher besser gehen.

Kaye - Zwei

Zwei Ich komme an meinem ersten Schultag zu spät. Na klasse, und das nur wegen diesen beiden Idioten von der Baustelle! Das Gebäude ist ganz schön, ich hab es mir nicht so genau angesehen, ich war zu sehr mit rennen beschäftigt. Jetzt stehe ich vor dem Büro der Schulleiterin. Katherine Harold steht auf einem kleinen Goldschild an der Tür. Ich habe dieses Gefühl, dass sie mich schon hasst, obwohl sie mich noch gar nicht gesehen hat. Ich atme tief durch, entspanne die Flügel unter meinem Pullover und werfe einen Blick auf Yu, die mir aufmunternd zunickt. Dann klopfe ich an. Es dauert kaum eine Sekunde, da erklingt eine Stimme von drinnen: »Herein!« Ich betrete das Zimmer. Die Frau hinter dem Schreibtisch sieht nicht sehr freundlich oder liebenswürdig aus. »Du bist dreizehn Minuten zu spät.«, stellt sie kühl fest. Himmel, was für ein Start!
»Tut mir leid.«, erwidere ich. Ich habe gerade nicht die Nerven, mir eine gute Ausrede einfallen zu lassen. Ich kann ihr ja schlecht erzählen, was wirklich passiert ist.
»Kaye Bismarck?«
»Jap« Ich nicke.
Sie sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Pardon?«
Ich verstehe nicht, was sie meint. »Was?«
»Es heißt Ja, Ma’am und nicht Jap.«, meint sie.
Ich verdrehe die Augen und wiederhole: »Ja, Ma’am.«
Mrs Harold zieht die Brauen dicht zusammen und blickt mich feindselig an. »Nun, Kaye Bismarck, ich werde dir jetzt deine Klasse zeigen, gerade ist Englischunterricht«, erklärte sie. »Komm mit.«
Ich zucke mit den Schultern und folge ihr, als sie den Raum verlässt. Sie führt mich durch viele lange Korridore mit unzähligen Spinden und Trinkbrunnen, bis sie schließlich vor einer Tür stehen bleibt, die exakt genau so aussieht wie jede andere in dieser Schule. Mrs Harold klopft nicht an, wahrscheinlich denkt sie, das muss sie nicht, weil sie die Schulleiterin ist und alles darf.
Ein junger Mann mit gestreiftem Sweatshirt und Jeans, der lässig am Pult lehnt, blickt sie überrascht an, als sie das Zimmer betritt, und sagt dann freundlich: »Katherine, ich weiß nicht, ob du es nicht gemerkt hast, aber ich unterrichte hier. Wenn du etwas möchtest, dann klopf an und ich werde dich herein bitten.« Seine Schüler und ich versuchen verzweifelt, nicht zu lachen, als Mrs Harold ihren jungen Kollegen mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. »Ich habe eine neue Schülerin für dich, William«, erklärt sie ihm dann und bemüht sich (nicht besonders erfolgreich), ruhig zu klingen. »Miss Kaye Bismarck« Sie stößt mich vorwärts. »Viel Spaß.« Und weg war sie.
»Man muss sie einfach lieben«, murmelt der Mann, während er noch immer die Tür anstarrt. Dann lächelt er mich an: »Nun, willkommen in unserer Englischklasse, Kaye. Bitte, denk nicht, jeder hier ist wie Mrs Harold. Sie passt nicht besonders gut in diese Schule, wenn du mich fragst, und das als Leiterin...« Er schüttelt den Kopf. »Wie auch immer. Ich bin William Parrott, dein Lehrer für Englisch und Geschichte. Willst du ein paar Worte über dich sagen?«
Ich wende mich der Klasse zu. »Naja, mein Name ist Kaye Bismarck, ich bin fünfzehn Jahre alt und ich komme aus Phoenix, Arizona. Ich lebe mit meiner Mom Judy hier in Hawks, mein Vater fiel im Krieg als ich noch ganz klein war.«
»Danke Kaye. Wo willst du dich hinsetzen? Neben Jessica« Mr Parrott weist auf ein blondes Mädchen mit einer dicken Make-up-Schicht und High Heels. »oder neben Ariadne?« Er zeigt mir ein anderes Mädchen mit braunem, leicht gelocktem Haar, einem netten Lächeln und Sneakers. Hallo Klischee, schön, dass du vorbeischaust! Die Wahl ist nicht besonders schwer. Ich schlendere hinüber zu Ariadnes Tisch und werfe einen Seitenblick auf besagte Jessica, die mir einen Todesblick zuwirft – als wäre es ihr irgendwie wichtig gewesen, dass ich mich zu ihr setze (wahrscheinlich für ihr Ego) – und zu ihrer Nagelfeile greift. Ich habe schon Angst, dass sie mir die an den Kopf werfen will, aber sie dreht sich nur schwungvoll weg und bearbeitet ihre rot lackierten Fingernägel. Dann setze ich mich hin. »Hey, freut mich, dich kennen zu lernen!«, wispert Ariadne mir zu. Ich nicke und schenke ihr mein schönstes Lächeln. »Mich auch.«
Beim Mittagessen führt Ariadne mich an einen Tisch, an dem bereits ein Junge mit braunem Haar und süßem Grinsen wartet. »Das ist mein bester Freund«, erklärt sie mir. »Dylan.« Dylan trägt ausschließlich schwarz, abgesehen von seinen Vans und den zwei neongrünen Streifen auf seiner Kapuzenjacke. Er ist mir auf Anhieb sympathisch.
Eine halbe Stunde lang reden wir über alles, was uns gerade einfällt. Ich habe das erste Mal im Leben das Gefühl, wahre Freunde zu haben, auch wenn ich sie noch nicht mal einen Tag lang kenne. Gerade erzählt Dylan vom letzten Gig seiner Rockband – er ist Drummer – als ich sie durch die Glaswand der Mensa sehe: Langsam und ruhig, irgendwie anmutig und mit einer unglaublichen Ausstrahlung, gehen sie auf die Tür zu: die Jungen von der Baustelle. Ich kann Yu, die bis eben in meiner Tasche geschlafen hat, meinen Namen flüstern hören, kann meinen Blick nicht von ihnen abwenden. Als Ariadne es bemerkt, beugt sie sich etwas näher zu mir, um meinem Blick genau folgen zu können. Die beiden hatten eben das Gebäude betreten.
»Wer sind die?«, frage ich sie. Wir starren sie immer noch an.
»Die St. Cloud-Brüder«, erwidert Ariadne. »Naja, eigentlich sind sie nicht wirklich Brüder, sondern die Adoptivsöhne unseres Stadtarztes Charles St. Cloud und seiner Frau Christy. Der Größere von ihnen, der mit dem weißen Haar, das ist Lux, der andere mit den dunklen Haaren und der Wollmütze ist Eo. Sie sind in unserem Jahrgang. Sie sehen unheimlich gut aus, nicht?«
»Nicht so gut wie ich.«, erwidert Dylan trotzig, wir ignorieren ihn.
»So gut wie alle Mädchen fahren auf einen von ihnen ab.«, fährt Ariadne fort. »Jessica aus unserer Klasse zum Beispiel macht kein Geheimnis daraus, dass sie auf Eo steht. Dauernd macht sie ihn an.« Sie schüttelt den Kopf.
»Wie sind die zwei denn sonst so?«, will ich wissen.
Ariadne legt die Stirn in Falten und scheint über eine passende Beantwortung meiner Frage nachzudenken. Dylan hingegen überlegt nicht lange und antwortet in einem ziemlich abfälligen Ton: »Total assi. Kann gar nicht glauben, dass die von Dr. St. Cloud erzogen sein sollen.«
»Wie meinst du das?«, frage ich.
Er zuckt die Schultern. »Es heißt, sie trinken zuhause Alkohol, benehmen sich als wären sie schon dreißig und dürften alles! Lux ist außerdem total streitsüchtig. Eo ist zwar viel ruhiger, aber meiner Meinung nach nicht gerade besser.«
Ariadne legt ihm eine Hand auf den Oberschenkel. »Übertreib mal nicht«, meint sie. »Das meiste, was du über sie weißt, sind doch nur Gerüchte.«
»Ich trau denen alles zu!«, unterbricht Dylan sie.
»Lass mich ausreden«, erwidert sie ruhig, drückt aber sein Bein etwas fester. »Es stimmt auch, dass Lux sich gerne auflehnt, aber tun wir das nicht alle gern? Oder würden es gerne tun? Er spricht doch oft nur aus, was alle anderen denken, sich aber nicht trauen, es zu sagen! Er hat sich außerdem noch nie geschlagen oder so.«
»Aber er war schon kurz davor«, wirft Dylan erneut ein.
»Eo hat ihn zurückgehalten! Das tut er immer.«
Ich bin ziemlich überrascht und schockiert, aber auch fasziniert von dem, was die beiden mir da erzählen und kann gar nichts sagen, sondern einfach nur zuhören.
»Wie auch immer«, sagt Dylan schließlich mit geschlossenen Augen und hochgezogenen Brauen. »Ich würde sie nicht grade als guten Umgang bezeichnen. Sonst sind sie aber total unauffällig, reden wenig mit anderen, fehlen oft, schreiben aber nur gute Noten. Ich versteh’s echt nicht.«
»Das eine hat doch gar nichts mit dem anderen zu tun«, erwidert Ariadne, dann schaut sie mich wieder an. »Auf jeden Fall sind sie super geheimnisvoll.«
Ich habe den Kopf wieder gedreht und schaue erneut zu Eo und Lux. Die beiden sitzen sich gegenüber an einem Tisch am Fenster und reden. Ich sehe beide aus dem Profil und beobachte sie genau. Sie sind beide ziemlich groß und dünn, haben lange Beine und Finger und schmale Gesichter. Die beiden passen nicht hierher, das ist klar. Auch wenn man nicht so eine Begegnung mit ihnen hatte wie ich, spürt man, dass sie anders sind als die anderen Schüler. Ich bin so darin vertieft, sie so gut es geht zu analysieren, dass ich überhaupt nicht bemerke, wie auffällig ich zu ihnen starre. Das wird mir erst in dem Moment klar, als sie ihr Gespräch unterbrechen, Eo sich mit geschlossenen Augen leicht grinsend zurücklehnt und Lux mich direkt ansieht und mir frech zuwinkt.
Ich muss mich wirklich beherrschen, nicht vor Schreck und Scham aufzuspringen und mich unter dem Tisch zu verkriechen. Ich laufe knallrot an und drehe mich schnell weg.
Mann, was ist heute nur mit mir los?!

Dienstag, 5. April 2011

Kaye - Eins

Eins Yu sieht mich besorgt an. »Geht es dir gut, Kaye?«, fragt sie, während sie angestrengt versucht, unter vollem Einsatz ihrer kleinen Flügelchen mit mir Schritt zu halten. Von Yu habe ich euch ja noch gar nicht in Kenntnis gesetzt! Tut mir leid, ich hab es wohl vergessen, aber ehrlich gesagt, kann ich auch gar nicht viel über sie erzählen. Ich weiß nicht, was sie ist, oder warum sie mich begleitet – ich weiß nur, dass sie da ist. Sie ist winzig – etwa so groß, wie meine Hand lang – und unheimlich niedlich. Wie ich hat sie Schmetterlingsflügel und lockiges blondes Haar und große braune Augen. Seit ich mich erinnern kann, war sie immer bei mir und hat mir beigestanden, wenn es mir schlecht ging. Natürlich geht sie mir manchmal auf die Nerven mit ihrer mädchenhaften, besorgten Art, aber ich habe sie trotzdem unglaublich lieb.
Okay, jetzt haltet ihr mich sicher alle für total schizophren und glaubt, dass ich mir Yu nur einbilde, aber ich bin ziemlich sicher, dass sie wirklich da ist. Und sie sagt das auch. Nur außer mir kann niemand sie sehen und ich weiß nicht, ob mich das glücklich machen oder beunruhigen soll.
»Ja.«, erwidere ich knapp. Ich habe keine besonders große Lust, jetzt ein tiefschürfendes Gespräch über meine Gefühle mit ihr anzufangen.
Inzwischen sind wir aus dem Waldstück heraus und betreten die Stadt. Diese wird ständig ausgebaut und erweitert, wodurch immer mehr Bäume weichen müssen und der gesamte Stadtrand Dauerbaustelle ist.
»Hässliche Stadt«, bemerkt Yu abwertend. »Viel zu viel Beton, und außerdem regnet es dauernd. Das ist gar nicht gut für meine Flügel!«
Ich reagiere immer noch nicht auf sie. Trotzdem hat sie Recht, Hawks ist nicht besonders schön. Momentan scheint allerdings die Sonne, begleitet von einem leichten warmen Wind.
Ich atme tief den Duft des Spätsommers ein und beschließe, die Abkürzung über die noch menschenleere Baustelle zu nehmen, da ich doch schon ziemlich spät dran bin. Ich klettere also über die Leitern auf der einen Seite des Gerüsts nach oben und balanciere gerade über den einzigen freien Balken in Schwindel erregender Höhe, um auf der anderen Seite wieder hinunter zu steigen, als auf einmal alles ganz schnell geht: Von rechts huscht etwas heran, das sich keinen halben Meter vor mir zu einem Jungen formt. Er ist einen Kopf größer als ich, aber etwa gleich alt, hat dunkles Haar, dunkelblaue Augen und trägt ein schwarzes Hemd mit blauen Säumen zu schwarzen Jeans. Er steht leicht vorgebeugt, mit den Händen in den Hosentaschen und seine Nasenspitze ist kaum eine handbreit von meiner entfernt. Yu schreit auf, ich stolpere zurück und pralle unmittelbar gegen einen weiteren Körper hinter mir. Ich fahre herum und stehe einem zweiten Jungen gegenüber. Der war noch mal einen halben Kopf größer als der andere und blickte mich abschätzend an. Ich bin so schockiert, dass mir die Frage, wie die beiden überhaupt so schnell und von mir unbemerkt hier hoch gekommen waren, zunächst überhaupt nicht in den Sinn kommt.
Auf dem schmalen Balken habe ich nicht die Möglichkeit, mich so zu stellen, dass ich beide Kerle gleichzeitig im Blick habe, und starre nur entsetzt den größeren mit dem weißen Haar an. Seine eisblauen Augen mustern mich interessiert. »Und du meinst, das ist sie?«, fragt er den Dunkelhaarigen hinter mir. Ich widerstehe dem nagenden Drang, mich umzudrehen, ich habe zu viel Angst, das Gleichgewicht zu verlieren, denn vor diesen zwei kann ich unmöglich meine Flügel preisgeben, wenn ich falle, und versuche nur, ihn aus dem Augenwinkel ansehen zu können. Yu hat sich ganz nah an meinen Hals gepresst und ich kann spüren, wie sie zittert. In diesem Moment fällt der Blick des Jungen vor mir genau auf sie. Yu hat es offensichtlich auch gemerkt, denn wie ein Blitz durchzuckt der Schreck ihren kleinen Körper und sie stößt einen kurzen fiependen Laut aus.
Unmöglich, denke ich, und hoffe sehr, dass sie es hören kann, sie können dich nicht sehen, Yu!
»Ich glaube...«, ertönt eine ruhige, weiche und gleichzeitig geheimnisvoll verwegene Stimme hinter mir, die höchstwahrscheinlich dem zweiten Kerl gehört und ich spüre, wie er einen weiteren Schritt nach vorne macht. Er steht jetzt genau hinter mir, ich kann sein Shampoo riechen und bekomme Gänsehaut. Doch dann legt er eine Hand an meine Hüfte und fährt mit der anderen meinen Rücken entlang, ganz vorsichtig, und ich spüre, wie er die Flügel unter meinem Pullover berührt.
Erschrocken fahre ich zusammen und realisiere den Bruchteil einer Sekunde später, und genau diesen Bruchteil einer Sekunde zu spät, dass ich falle.
Ich höre, wie der weißhaarige Junge »Nein!« ruft und sehe aus dem Augenwinkel, dass der Junge, der mich eben noch so dreist angefasst hatte, die Hand ausstreckt, um mich festzuhalten und dabei ebenfalls den Stand auf dem Balken verliert.
Flieg, Kaye, flieg!, schreit Yu in meinen Gedanken, und ich entfalte meine Flügel und fange meinen Sturz gerade noch rechtzeitig ab. Als ich den Boden unter den Füßen spüre, sacke ich erstmal auf die Knie, und als sich mein Puls wieder einigermaßen normalisiert hat, blicke ich auf, um zu sehen, was mit dem dunkelhaarigen Kerl passiert ist. Ich suche den Boden um mich herum und schließlich auch das Gerüst vor mir mit den Augen ab, doch er und der andere waren verschwunden.

Montag, 28. März 2011

Apropos vergesslich und so...

Sie postet wieder...

Ich, und alle die mich kennen wissen: Ich bin ein bisschen vergesslich und faul (das ist eine schamlose Untertreibung)... :)

Trotzdem gelobe ich hiermit wieder mal mich zu bessern, wenn es sich lohnt (ich weiß leider nicht, wie viele Leute meinen Blog schon gelesen haben). =D

Zu momentanen Projekten und Tätigkeiten:

Ich habe langfristig zwei Bücher in der Mache: "Wer Schmetterlinge lachen hört..." (Arbeitstitel, wird noch geändert, wenn mir was besseres einfällt ;)) und "Kaye", von dem ich hier ja schon den Prolog gepostet habe (irgendwann im Februar). Ich weiß jetzt schon, dass diese Arbeit nur schleppend vorangehen wird (da sind wir wieder beim Punkto 'Faulheit'), trotzdem hoffe ich, dass sie irgendwann bereit dazu sind, an 'nen Verlag geschickt oder da persönlich hingebracht zu werden... Das heißt, wenn es meinen Probelesern (Freunde, Familie,...) gefällt und ich den Mut dazu aufbringe. :)
Ich weiß noch nicht, ob ich hier wirklich jedes Kapitel posten werde, könnte aber sein.
Jeder der es liest, ist herzlich eingeladen, mir eine Rückmeldung zu geben... :)))
Wäre suuuuper.

Dann gehe ich mal wieder einer meiner größten Leidenschaften nach: Dem Pokémon spielen. =P
Ich weiß, ich bin 15 und ein verdammtes MÄDCHEN *lach*, trotzdem liebe ich die Games. (:
Ist schließlich auch nicht unbedingt ein Kinderspiel: Es gibt soooo unendlich viele Möglichkeiten und so, auf die Kinder gar nicht kämen (Labyrinthe etc) von den strategischen Einsätzen der verschiedenen Pokémon, TMs und VMs und so weiter mal ganz abgesehen. Kurz: es ist ein richtig anspruchsvolles Strategiespiel!
Und naja, jetzt bin ich ganz stolz im Besitz eines DSi, bei dem die Edition HeartGold (ich hab letztes Jahr nur SoulSilver gespielt) dabei war (und New Super Mario Bros., aber das ist nebensächlich... :))...
Auch an der Schwarzen spiele ich noch (bekam ich Mitte des Monats), muss da gerade für die anstehenden Aufgaben trainieren...
Ich werde sowas wie eine "Rubrik" (mir fehlt gerade die passende Bezeichnung für einen eigenen regelmäßigen Teil eines Blogs) schreiben, die von meinen Meinungen und Erfahrungen handelt, die sich beim Spielen automatisch ansammeln. Vielleicht finden sich sogar ein paar Leser... :))

Soeben, beim Schreiben dieses Posts habe ich beschlossen, ins Heading (oder irgendwo anders hin... vll sogar als Post, werden wir sehen) zusammenzufassen, über was ich hier so alles Schreiben werde (in einzelnen Rubriken). Dann hab ich hier nicht so viel überflüssige Information drin. =D

Na gut... ich glaube, das wars dann erst mal. Sonst wird mir das hier zu lang, und euch glaube ich auch. ;)

Fly On,
Joe.